Asbest · Teil 1 von 4

Was ist Asbest – und warum wurde es jahrzehntelang verbaut?

Von Ihrem Malerbetrieb aus Itzehoe · Lesezeit ca. 5 Minuten

Kaum ein Baustoff wurde so vielseitig eingesetzt wie Asbest – und kaum einer hat einen so schlechten Ruf. Beides hat denselben Grund: seine ungewöhnlichen Eigenschaften. In diesem ersten Teil unserer Serie erklären wir, was Asbest eigentlich ist, warum es so lange als Wundermaterial galt und warum genau diese Eigenschaften es gefährlich machen können.

Ein Material mit beeindruckenden Eigenschaften

Asbest ist die Sammelbezeichnung für verschiedene natürlich vorkommende, faserförmige Silikatminerale. Über Jahrzehnte wurde es wegen einer seltenen Kombination von Eigenschaften geschätzt:

Diese Mischung aus Robustheit und Verarbeitbarkeit machte Asbest über viele Jahrzehnte, bis in die 1990er-Jahre hinein, zu einem festen Bestandteil unzähliger Bauprodukte – vom groben Fassadenmaterial bis zur feinen Spachtelmasse.

Verwittertes Wellplattendach aus Asbestzement auf einem Gartenhaus, mit Moos und Flechten bewachsen
Das bekannteste Gesicht von Asbest: Wellplatten aus Asbestzement auf Schuppen, Garagen und Nebengebäuden. Sie sind fest gebunden – solange sie unbeschädigt liegen bleiben, gelten sie als vergleichsweise unkritisch.

Warum ausgerechnet diese Eigenschaften gefährlich werden

Der entscheidende Punkt ist die Faserform selbst: Asbestfasern können sich bei Bearbeitung in immer feinere Fasern aufspalten – bis hinunter in einen Bereich, der beim Einatmen tief in die Lunge vordringen kann (man spricht von lungengängigen Fasern). Genau die Eigenschaft, die das Material so reißfest und dauerhaft machte, ist also auch der Grund für die gesundheitliche Gefahr. Nach Einschätzung der zuständigen Fachstellen gilt Asbest als krebserzeugend, wenn Fasern eingeatmet werden – deshalb ist der Umgang damit heute gesetzlich streng geregelt (mehr dazu in Teil 3 dieser Serie).

Makroaufnahme von Rohasbest: das Gestein fasert an der Kante in feine, seidig glänzende Fasern auf
Daher der Name: Asbest ist ein natürliches Mineral, das sich in feinste, seidig glänzende Fasern aufspalten lässt – hier stark vergrößert dargestellt. In einem fertigen Bauteil sind die Fasern im Material gebunden und mit bloßem Auge nicht zu erkennen.

Verbaut ist nicht gleich bearbeitet

Für die Einschätzung im Alltag ist ein Punkt besonders wichtig: Fest gebundenes, intaktes Asbest in einem unbeschädigten Bauteil gilt in der Regel als unproblematisch. Solange die Fasern fest in Putz, Spachtelmasse oder einer Platte eingebunden sind und nichts davon in die Raumluft gelangt, geht von einer ruhenden, unbeschädigten Fläche keine akute Gefahr aus.

Gefährlich wird es erst bei der Bearbeitung: Wird ein asbesthaltiges Material gebohrt, geschliffen, gesägt, gestemmt oder abgerissen, können Fasern freigesetzt und eingeatmet werden. Deshalb gilt bei einem älteren Gebäude: im Zweifel erst fachlich klären lassen, bevor Werkzeug angesetzt wird.

Warum es seit 1993 verboten ist

Als die gesundheitlichen Risiken zunehmend belegt waren, trat in Deutschland am 31. Oktober 1993 das Verwendungsverbot für Asbest in Kraft. Das ist der Grund, warum dieses Datum bei jedem älteren Gebäude zur zentralen Frage wird – wo genau Asbest heute noch stecken kann, zeigt Teil 2 dieser Serie, was das für Sie als Eigentümer bedeutet, Teil 3.

Kurz zusammengefasst: Nicht das Material an sich ist im Alltag das Problem, sondern die Bearbeitung. Wer das weiß, kann bei einer Renovierung ruhig und sachlich mit dem Thema umgehen, statt in Panik zu verfallen oder es zu ignorieren.

Älteres Gebäude, anstehende Renovierung?

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