Asbest · Teil 4 von 4

Eine kleine Geschichte des Asbests: Von der Antike bis zum Verbot

Von Ihrem Malerbetrieb aus Itzehoe · Lesezeit ca. 6 Minuten

Bevor Asbest 1993 verboten wurde (siehe Teil 3), hat es die Menschheit rund 2.000 Jahre lang begleitet – als Wunderfaser, Statussymbol und Alltagsgegenstand. Vier Stationen aus seiner Geschichte, die zeigen, wie tief das Material einmal in unserem Alltag steckte.

Antike

Die unauslöschliche Lampe der Akropolis

Im Erechtheion auf der Akropolis in Athen hing der Überlieferung des griechischen Reiseschriftstellers Pausanias zufolge eine goldene Lampe des Bildhauers Kallimachos – mit einem Docht aus Asbestfasern. Weil dieser nicht verbrannte, musste die „unauslöschliche Lampe" (asbestos lychnis) angeblich nur einmal im Jahr mit Öl nachgefüllt werden. Auch die ewige Flamme der Vestalinnen im antiken Rom soll mit einem Asbestdocht gebrannt haben. Der Name „Asbest" stammt genau daher: griechisch für „unauslöschlich".

Antike Öllampe aus Bronze und Ton mit kleiner Flamme, vor dunklem Hintergrund
Symbolbild: eine antike Öllampe, wie sie im Erechtheion gebrannt haben soll. Ihr Docht aus Asbestfasern verbrannte nicht – daher der Name „unauslöschlich".
Mittelalter

Karl der Große und das Tischtuch im Feuer

Einer bekannten Legende nach soll Karl der Große (747–814) seine Gäste bei einem Bankett verblüfft haben: Er ließ ein ölgetränktes Tischtuch aus Asbestfasern ins offene Feuer halten – und präsentierte es anschließend unversehrt und von allen Essensflecken gesäubert. Manche Überlieferungen erzählen eine ähnliche Geschichte auch über Kaiser Karl V., was zeigt, wie sehr sich solche Anekdoten im Lauf der Zeit auf verschiedene Herrscher übertragen haben. Belegt ist die Szene historisch nicht im Detail – sie beruht aber auf einer echten Eigenschaft: Asbest hält Temperaturen bis etwa 1.000 Grad stand.

Ein helles Tuch liegt unversehrt zwischen Glut und Flammen in einem offenen Kamin
Symbolbild zur Tischtuch-Legende: ein Gewebe aus Asbestfasern übersteht das offene Feuer unbeschadet – die Eigenschaft dahinter ist echt, die Bankettszene selbst historisch nicht belegt.
Ab ca. 1900

Sicherheitsvorhänge in Theatern und Kinos

Nach verheerenden Theaterbränden – etwa im Theatre Royal Exeter 1887 – setzten sich ab Ende des 19. Jahrhunderts feuerfeste Sicherheitsvorhänge durch, viele davon aus Asbestgewebe. Ihre Aufgabe: im Brandfall Bühne und Zuschauerraum trennen. Eine bittere Ironie liefert der Brand des Iroquois Theatre in Chicago 1903 mit über 600 Toten: Der dortige Vorhang galt als asbesthaltig und sicher, blieb aber auf halbem Weg stecken – und bestand einer späteren Untersuchung zufolge größtenteils aus pflanzlicher Faser, nicht aus Asbest. Ein frühes Beispiel dafür, dass es auf echte Prüfung ankommt, nicht auf Annahmen. Zwischen den 1950er- und 1980er-Jahren waren asbesthaltige Vorhänge in Theatern weit verbreitet.

Schwerer roter Bühnenvorhang in einem klassischen Theater, von unten warm beleuchtet
Symbolbild: Der eiserne Vorhang zwischen Bühne und Zuschauerraum war über Jahrzehnte eine der wichtigsten Brandschutzmaßnahmen im Theater – vielfach aus Asbestgewebe.
Nach 1945

Asbest in der Zahnpasta

Nach dem Zweiten Weltkrieg brachten Hersteller in den USA Zahnpasta mit Asbestfasern als Reinigungsmittel auf den Markt – die feinen Fasern wirkten stark abrasiv und sollten Verfärbungen besonders gründlich entfernen. Erst als die gesundheitlichen Risiken bekannt wurden, verschwand Asbest schrittweise wieder aus solchen Alltagsprodukten.

Alte Metall-Zahnpastatube ohne Aufdruck neben einer Zahnbürste im Stil der 1950er-Jahre
Symbolbild: In den Jahren nach 1945 steckte Asbest nicht nur am Bau, sondern auch in Alltagsprodukten – unter anderem als Putzkörper in Zahnpasta.
Der rote Faden: Ob Lampendocht, Tischtuch, Theatervorhang oder Zahnpasta – Asbest wurde über Jahrhunderte für dieselben Eigenschaften geschätzt, die es heute problematisch machen: unverwüstlich, hitzebeständig, feinfaserig. Mehr dazu, warum genau das gefährlich werden kann, in Teil 1 dieser Serie.

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