Bevor Asbest 1993 verboten wurde (siehe Teil 3), hat es die Menschheit rund 2.000 Jahre lang begleitet – als Wunderfaser, Statussymbol und Alltagsgegenstand. Vier Stationen aus seiner Geschichte, die zeigen, wie tief das Material einmal in unserem Alltag steckte.
Die unauslöschliche Lampe der Akropolis
Im Erechtheion auf der Akropolis in Athen hing der Überlieferung des griechischen Reiseschriftstellers Pausanias zufolge eine goldene Lampe des Bildhauers Kallimachos – mit einem Docht aus Asbestfasern. Weil dieser nicht verbrannte, musste die „unauslöschliche Lampe" (asbestos lychnis) angeblich nur einmal im Jahr mit Öl nachgefüllt werden. Auch die ewige Flamme der Vestalinnen im antiken Rom soll mit einem Asbestdocht gebrannt haben. Der Name „Asbest" stammt genau daher: griechisch für „unauslöschlich".
Karl der Große und das Tischtuch im Feuer
Einer bekannten Legende nach soll Karl der Große (747–814) seine Gäste bei einem Bankett verblüfft haben: Er ließ ein ölgetränktes Tischtuch aus Asbestfasern ins offene Feuer halten – und präsentierte es anschließend unversehrt und von allen Essensflecken gesäubert. Manche Überlieferungen erzählen eine ähnliche Geschichte auch über Kaiser Karl V., was zeigt, wie sehr sich solche Anekdoten im Lauf der Zeit auf verschiedene Herrscher übertragen haben. Belegt ist die Szene historisch nicht im Detail – sie beruht aber auf einer echten Eigenschaft: Asbest hält Temperaturen bis etwa 1.000 Grad stand.
Sicherheitsvorhänge in Theatern und Kinos
Nach verheerenden Theaterbränden – etwa im Theatre Royal Exeter 1887 – setzten sich ab Ende des 19. Jahrhunderts feuerfeste Sicherheitsvorhänge durch, viele davon aus Asbestgewebe. Ihre Aufgabe: im Brandfall Bühne und Zuschauerraum trennen. Eine bittere Ironie liefert der Brand des Iroquois Theatre in Chicago 1903 mit über 600 Toten: Der dortige Vorhang galt als asbesthaltig und sicher, blieb aber auf halbem Weg stecken – und bestand einer späteren Untersuchung zufolge größtenteils aus pflanzlicher Faser, nicht aus Asbest. Ein frühes Beispiel dafür, dass es auf echte Prüfung ankommt, nicht auf Annahmen. Zwischen den 1950er- und 1980er-Jahren waren asbesthaltige Vorhänge in Theatern weit verbreitet.
Asbest in der Zahnpasta
Nach dem Zweiten Weltkrieg brachten Hersteller in den USA Zahnpasta mit Asbestfasern als Reinigungsmittel auf den Markt – die feinen Fasern wirkten stark abrasiv und sollten Verfärbungen besonders gründlich entfernen. Erst als die gesundheitlichen Risiken bekannt wurden, verschwand Asbest schrittweise wieder aus solchen Alltagsprodukten.
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