Es gibt Baustellen, bei denen man die Tür aufmacht und sofort weiß: Hier reicht kein Anstrich mehr. In Rendsburg waren es zehn Wohnungen, in denen der Schimmel nicht mehr ein Fleck in der Ecke war, sondern ganze Wandflächen erobert hatte. Bewohnbar war das nicht mehr.
Es war eines unserer ersten Großprojekte – und ehrlich gesagt: In diesem Ausmaß hatte ich das vorher noch nie gesehen. Genau dieses Projekt war der Anstoß, die Schimmelfachberatung zu einem eigenen Schwerpunkt im Betrieb auszubauen.
Ziehen Sie den Regler: aus der befallenen Wand wurde wieder ein Raum zum Wohnen.
Der Zustand vor der Sanierung
Das sind keine Symbolbilder. So sah es aus, als wir das erste Mal in den Wohnungen standen.
Erst verstehen, dann anfassen
Der Reflex bei so einem Anblick ist: alles rausreißen. Aber wer sofort loslegt, riskiert, dass der Schimmel nach der Sanierung zurückkommt – dann hat man viel Geld ausgegeben und nichts gelöst. Deshalb stand am Anfang dasselbe, was auch bei einer einzelnen Fensterlaibung am Anfang steht: die Ursachensuche.
Also wurde in den betroffenen Wohnungen zuerst gemessen: Raumtemperatur, Oberflächentemperatur der befallenen Bauteile, relative Luftfeuchtigkeit. Aus diesen Werten ergibt sich, ob eine Wand bauphysikalisch überhaupt eine Chance hat, trocken zu bleiben – oder ob sie zwangsläufig immer wieder Kondenswasser sammelt.
Dieses Projekt fiel genau in die Zeit, in der ich mich zum Fachberater für Schimmelpilzschäden (TÜV) weitergebildet habe: Die Schadensaufnahme erfolgte 2015, die Prüfung legte ich im November desselben Jahres ab, die Sanierung führten wir 2016 aus. Rendsburg war einer der Gründe, warum ich diese Qualifikation überhaupt gemacht habe.
Die Ursache: Wasser von oben, Wärme von innen, niemand da
In Rendsburg kamen drei Dinge zusammen, von denen jedes einzelne schon gereicht hätte.
Erstens das Dach. Das Gebäude hat ein Flachdach, und das war über die Jahre deutlich beschädigt. Feuchtigkeit lief von oben ungehindert in die obersten Wohnungen. Nicht als Tropfen an der Decke, den jemand bemerkt hätte, sondern schleichend, in den Bauteilen.
Zweitens die Heizkörper. Die standen dauerhaft auf Stufe 5 – volle Leistung, rund um die Uhr. Und hier wird es bauphysikalisch interessant: Warme Luft kann sehr viel mehr Feuchtigkeit aufnehmen als kalte. Sie sog also das Wasser aus den durchnässten Bauteilen auf – und schlug sich an jeder kalten Fläche im Raum wieder als Kondenswasser nieder. Feuchtigkeit rein, Wärme dazu, kalte Wände: mehr braucht Schimmel nicht.
Drittens: Es war niemand da. Die Wohnungen standen leer und wurden nicht mehr vermietet. Niemand hat gelüftet, niemand hat es gemeldet, das Objekt wurde über Jahre links liegen gelassen. Damit war der Kreislauf geschlossen: Das Wasser kam von oben nach, die Heizung verteilte es als Wasserdampf im Raum, und weil nie jemand ein Fenster öffnete, konnte nichts davon entweichen. Es blieb im System und ging von vorne los.
Am Ende herrschte in diesen Wohnungen faktisch ein subtropisches Klima – warm, feucht, geschlossen. Ein Gewächshaus für Schimmel.
Erst als ein Wohnungsbauunternehmen das Objekt kaufte und sanieren wollte, wurden wir dazugeholt.
„Man saniert nicht den Schimmel. Man saniert den Grund, aus dem er da ist."
Was wir gemacht haben
- Arbeitskoordinationsplan Vor dem ersten Handgriff steht das Konzept: ein richtliniengerechter, objektspezifischer Plan mit klaren Arbeitsanweisungen. Wer bei einer Schimmelsanierung improvisiert, verteilt die Sporen im ganzen Haus.
- Schwarzbereich abschotten Der Sanierungsbereich wird abgeschottet und nur über eine Schleuse betreten. Ein Unterdruckgerät hält die Luft im Raum und leitet sie gefiltert nach draußen. So bleibt der Befall dort, wo er ist, statt sich beim Aufräumen im ganzen Haus zu verteilen.
- Rückbau bis auf den tragfähigen Untergrund Befallene Tapeten und belasteter Putz werden großzügig über den sichtbaren Befall hinaus entfernt – denn wo Schimmel zu sehen ist, hört er nicht auf. Alles wird staubdicht verpackt und fachgerecht entsorgt.
- Reinigen und desinfizieren Grob- und Feinreinigung mit Spezialsauger, glatte Flächen gewaschen und desinfiziert – bis in die Estrichrandfugen hinein, damit keine Reste des Pilzgeflechts zurückbleiben.
- Wiederaufbau und Vorbeugung Erst auf den sauberen, trockenen Untergrund kommt der neue Aufbau. Wo eine kalte Außenwand die Ursache war, hilft eine innenseitige Dämmung: Sie hebt die Oberflächentemperatur an und nimmt dem Schimmel die Grundlage.
Das Ergebnis: nicht behauptet, sondern gemessen
Bei einem Projekt dieser Größe endet die Arbeit nicht damit, dass die Wand wieder weiß ist. Zum Schluss steht die Freimessung – und die macht nicht der Handwerker, der saniert hat. Sie wird von einem unabhängigen Institut durchgeführt, in Rendsburg vom Biolabor Hamburg: Es nimmt Luftproben und zählt die Schimmelpilzsporen in der Raumluft aus.
Das Ergebnis wird in KBE angegeben – koloniebildende Einheiten pro Kubikmeter Luft. In den sanierten Wohnungen lagen die Werte deutlich unter 600 KBE. Damit gilt eine Wohnung als erfolgreich saniert: Die Raumluft ist nicht mehr belastet, der Befall ist nicht nur verschwunden, sondern nachweislich weg.
Das ist der Unterschied zwischen „sieht wieder gut aus" und „ist wieder in Ordnung". Ein Fleck lässt sich überstreichen. Eine Freimessung lässt sich nicht überstreichen.
Die zehn Wohnungen wurden saniert und wieder bewohnbar übergeben. Es ist eines der Projekte, an das ich am liebsten zurückdenke – nicht weil es schön war, sondern weil es schwierig war und funktioniert hat.
Wer das gemacht hat
Die Begutachtung und das Sanierungskonzept kamen von Marvin Bedenknecht – Maler- und Lackierermeister und seit 2015 Fachberater für Schimmelpilzschäden (TÜV). Die Ausführung übernahm das Team des Betriebs.
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Wir gehen dahin, wo es unangenehm ist
Schimmel ist kein schönes Thema. Aber jemand muss ihn ernst nehmen, die Ursache finden und den Menschen ihre Räume zurückgeben. Genau dafür haben wir uns qualifiziert. Denn bei uns gilt: Partner helfen sich gegenseitig.
Schimmel im Haus oder in der Wohnanlage?
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